Bericht von der ComicAction 2004

 

Es war einmal vor langer, langer Zeit (um genau zu sein vom 21.-24.10.2004), da schlichen gar seltsame Gestalten durch die Essener Messe. Diese Gestalten hatten ihre Geek-höhlen verlassen, teilweise hunderte von Kilometern Anreise hinter sich, extra Urlaub genommen – kurz: lauter bekloppte! Die Rede ist vom seltsamen Volk der Rollenspieler, das sich mal wieder auf den internationalen Spieltagen eingefunden hatte und dem man auf dem Weg in den Comicaction-Bereich der Messe zwangsweise über den Weg lief. Als ob ich nach 500km Zugfahrt nichts Besseres zu tun gehabt hätte, als mir einen Weg durch eine Gruppe düsterer Ritter zu bahnen. Hatte ich dafür wirklich extra zwei Tage Urlaub genommen? Ja, das hatte ich und ja, ich hatte nichts besseres zu tun, denn genau dafür war ich ja hier. Aber natürlich gab es neben dem alljährlichen Wir-quetschen-uns-durch-die-Gänge-Spiel, an dem sich alle Besucher mit Begeisterung beteiligten, noch andere lohnenswerte „Programmpunkte“.

Der erste Stand, der einem auf der Comicaction ins Auge sprang, war der des Panini Verlags, der sich mal wieder den Platz an der Sonne gesichert hatte. Nicht verwunderlich, da Panini zum einen der einzige anwesende Großverlag war und zum anderen das größte Messeprogramm im Gepäck hatte. So konnte man sich mit Messespecial-Comics eindecken und an diversen Gewinnspielen teilnehmen. Der größte Hingucker waren aber die Superheldenzeichner, die sich an allen vier Tagen die Ehre gaben und vor deren Tischen durchgängig lange Schlangen standen. In denen hätte man sicher problemlos die gesamte Messezeit verbringen können, was den Vorteil gehabt hätte, dass man nicht in Versuchung geführt worden wäre, in den Ramschkisten der Händler zu wühlen. Und Händler gab es wahrlich genug, machten ihre Stände doch schätzungsweise gut 50% der CA-Fläche aus. Bei Tiefpreisen ab 30 Cent konnte man hier versuchen, die Sammlung zu vervollständigen. Neben den Comicramschkisten luden auch noch jede Menge Merchandiseartikel dazu ein, Geld auszugeben.
Beim Thema Ramschverkauf darf man natürlich Modern Graphics nicht vergessen. MG nutzte die Gunst der Stunde mal wieder dazu, den Lagerbestand zu verkleinern. „Mängelexemplare“ und Ladenhüter wurden für einen Apfel und ein Ei verkauft.

Bei all dem basarähnlichem Treiben ging der Gemeinschaftsstand der Kleinverlage und des Comicforums leider etwas unter. Dort hatten sich unter anderem Schwarzer Turm, Speed, Reprodukt und Eidalon zusammengetan, um ihre Anwesenheit auf der CA zu ermöglichen. Weniger Beachtung fand wohl nur (zumindest am Donnerstag und Freitag) die Zeichnerallee, die teilweise von erschöpften Messebesuchern zur Ruhezone umfunktioniert wurde. Samstags und Sonntags änderte sich das jedoch (auch wenn weniger Zeichner/Besucher anwesend waren, als 2003) und den anwesenden Künstlern – darunter auch Marian Kretschmer, der zusammen mit seinen Kollegen die zweite Ausgabe ihres Comics „Blue Evolution“ vorstellte – wurde endlich mehr Beachtung geschenkt. Und Crossgen? CG war wieder mit am MG Stand vertreten, jedoch diesmal gänzlich ohne extra Messeprogramm. Kein Messespecial, keine Zeichner. Der Niedergang von CG in den USA macht sich eben auch hierzulande bemerkbar. Schade.

Die vier Tage haben mir sehr gut gefallen. Das liegt aber nicht daran, dass die CA so toll ist, sondern dass ich so viele tolle Leute (wieder) getroffen habe. Leute, die man aus dem Internet und von anderen Conventions her kennt. Nur wegen ihnen steht die CA noch auf meiner Liste der „Pflichtveranstaltungen“. Die CA hat zwar Tradition und einen hohen Bekanntheitsgrad, doch wird sie davon allein auf Dauer nicht leben können.


geschrieben von LOKInst